Pressemitteilung: Augsburg erinnert an Bebo Wager: „Haltung zeigen“

August 13, 2026

Augsburg, 13. August 2026 – Anna Rasehorn, MdL, Florian Freund, Oberbürgermeister für Augsburg und Sabina Gaßner, Vorsitzende der AWO Augsburg, erinnern am 83. Todestag an den Augsburger Widerstandskämpfer und mahnen zum entschlossenen Eintreten für Demokratie und Menschenwürde.

Am gestrigen Mittwoch gedachten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Arbeiterwohlfahrt und Stadtgesellschaft am Ehrengrab auf dem Augsburger Westfriedhof des sozialdemokratischen Widerstandskämpfers Josef „Bebo“ Wager. Auf den Tag genau vor 83 Jahren, am 12. August 1943, wurde der Augsburger Sozialdemokrat von der nationalsozialistischen Justiz im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet. Die Gedenkreden hielten in diesem Jahr die Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD Schwaben Anna Rasehorn sowie Sabina Gaßner, Vorsitzende des AWO Kreisverbandes Augsburg. Teil nahm auch der Augsburger Oberbürgermeister, Florian Freund.

Bebo Wager, 1905 in Augsburg geboren, engagierte sich bereits als junger Arbeiter in der Sozialistischen Arbeiterjugend und der SPD. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gehörte er zu den führenden Köpfen der „Revolutionären Sozialisten“. Die Widerstandsgruppe baute konspirative Strukturen in Augsburg und weiteren Städten Schwabens auf. Wager wurde 1942 verhaftet, im Mai 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 12. August 1943 gemeinsam mit dem Münchner Sozialdemokraten Hermann Frieb hingerichtet.

Rasehorn: „Gedenken ist ein Auftrag“

Anna Rasehorn machte in ihrer Gedenkrede deutlich, dass die Erinnerung an Bebo Wager angesichts erstarkender rechtsextremer Kräfte nicht allein eine Frage des historischen Gedenkens sei:

„Wir kommen jedes Jahr wieder an dieses Grab. Nicht nur aus Pietät und nicht nur, um uns zu erinnern. Dieses Gedenken ist ein Auftrag. Bebo Wager zeigt uns, was es bedeutet, Haltung zu zeigen. Wenn Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit wieder lauter werden, dürfen Demokratinnen und Demokraten nicht schweigen. Wir sehen nicht weg. Nicht in Augsburg, nicht in Schwaben und nicht in Bayern.“

Rasehorn rief zugleich die demokratischen Parteien dazu auf, die Sprache und Narrative der extremen Rechten nicht zu übernehmen und einen klaren Konsens im Umgang mit demokratiefeindlichen Kräften zu bewahren. Eine starke Demokratie brauche zudem politische Bildung und eine wache Zivilgesellschaft.

Freund: „Bebo Wagers Geschichte gehört zu Augsburg“

Auch Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Florian Freund unterstreicht die Bedeutung der Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus:

„Bebo Wagers Geschichte gehört zu Augsburg. Sie erzählt von ungeheurem Mut, aber auch davon, wohin es führen kann, wenn Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde Schritt für Schritt ausgehöhlt werden. Für eine Friedensstadt wie Augsburg erwächst daraus eine besondere Verantwortung. Demokratie lebt davon, dass Menschen für sie einstehen, im Großen wie im Kleinen, jeden einzelnen Tag. Bebo Wager erinnert uns daran, dass Freiheit niemals selbstverständlich ist.“

Gaßner: „Solidarität war für Bebo Wager eine Lebenshaltung“

Sabina Gaßner, Vorsitzende des AWO Kreisverbandes Augsburg, hob die enge Verbindung zwischen Wagers Widerstand und den Grundwerten der Arbeiterwohlfahrt hervor:

„Bebo Wager kämpfte für eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Solidarität keine leeren Worte sind. Sein Vermächtnis verpflichtet uns, überall dort Haltung zu zeigen, wo Menschen ausgegrenzt, abgewertet oder ihrer Würde beraubt werden. Erinnern bedeutet deshalb für uns immer auch, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.“

Die AWO erinnert auch mit dem nach dem Widerstandskämpfer benannten Bebo-Wager-Haus dauerhaft an sein Wirken.

Ein Vermächtnis von Mut und Menschlichkeit

Besonders eindrücklich bleibt Wagers Haltung in seinen letzten Briefen. Noch unmittelbar vor seiner Hinrichtung richtete er sich an seine Familie und forderte seine Kinder dazu auf, zu guten und tapferen Menschen heranzuwachsen. Seine Widerstandsarbeit und sein Eintreten für Demokratie und Menschlichkeit wirken damit weit über seinen Tod hinaus.

Rasehorn fasste diesen Auftrag zum Abschluss der Gedenkfeier zusammen: „Bebo Wager hatte keine Garantie, dass sein Widerstand etwas verändern würde. Er hat trotzdem gehandelt. Heute haben wir die Freiheit, unsere Stimme zu erheben. Diese Freiheit müssen wir nutzen.“

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